Madness reigns


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Die einsame Fremde

Die einsame Fremde
Noch nie hatte er soviel Liebe und Leidenschaft gespürt, wie in diesem Moment der vollkommenen Verschmelzung. Noch nie hatte er gefühlt was er jetzt fühlte. Noch nie hatte er sich einer Frau näher gefühlt.
Angefangen hatte alles in dieser Bar, dem ‘Twisters’.
Er hatte dort allein an der Bar gesessen. Mit seinen schwarzen Augen in den Whiskey gestarrt. Da kam diese Frau herein. Ihr pechschwarzes Haar fiel ihr bis über die schmale Taille. Ihr wunderschöner Körper mit den üppigen Brüsten, den schlanken Beinen und den knackigen Po wurde kaum durch ein Nichts von Seide verhüllt. Ihre nachtblauen Augen, die, in dem schummrigen Licht der Bar, fast violett erschienen, suchten den Raum ab. Sie sah so verloren und einsam aus. Einige Schritte von der Tür entfernt war sie stehen geblieben. Sie sah sich jede hier anwesende Person genauestens an.
Wie immer war der Großteil der Gäste Männer. Eines war sicher: Kein Mann hatte in diesem Moment Augen für irgend etwas anderes. Weder für die Frau, die die wenigen mit am Tischen sitzen hatte, noch für ihr Bier oder gar den Fernseher, der im Hintergrund lief.
Schließlich kam sie direkt auf ihn zu und setzte sich neben ihn. Er konnte es kaum glauben. Immer schon hatte er Erfolg bei Frauen gehabt, aber ein solches Exemplar, wie diese, war ihm noch nie unter gekommen. Diese Fremde war mit Sicherheit das schönste weibliche Wesen, das ihm je begegnet war. Sie musste den Barkeeper, der sie ob ihrer Schönheit verwirrt anstarrte zweimal um ein Glas Wasser bitten, bevor dieser überhaupt bemerkt hatte, dass sie etwas bestellt hatte. Sie nahm einen winzigen Schluck aus dem Glas, kaum erkennbar, dass jemand etwas getrunken hatte und sah sich weiter im Raum um.
Es machte ihn unglaublich eifersüchtig, dass alle Männer diese Frau anstarrten. Aber wieso eigentlich? Sie hatten noch nicht einmal ein Wort miteinander gewechselt. Dennoch konnte er die Blicke und das Tuscheln der anderen Männer kaum ertragen.
Schließlich wand sie sich ihm zu und hauchte mit einer unglaublich tiefen Stimme ein verlegenes: „Hallo.“ Wow, dieses Lächeln, das diesem kurzen Wort folgte, ließ den Platz in seiner Hose beträchtlich kleiner werden. Er stotterte sein ebenso verlegenes: „Hallo.“ zurück. Sie wandte sich wieder ab. Nein! Er musste nachdenken. Er musste irgendetwas sagen. „Ich habe sie hier noch nie gesehen.“ Denkbar blöd, aber es zog. Sie erzählte ihm, sie sei neu in der Stadt und würde noch niemanden kennen. Eigentlich habe sie den Stadtpark gesucht um einen Abendspaziergang zu machen, aber habe sich vollkommen verlaufen. Eigentlich sei sie nur hier hereingekommen, um ein Taxi anzurufen.
„Wo wohnen Sie denn, wenn ich das einfach so fragen darf?“ Sie nannte ihm die genaue Adresse. „Ja, aber das ist doch gar nicht so weit von hier. Wenn Sie erlauben, dann bringe ich Sie nach Hause. Das ist keine Uhrzeit, um die eine so schöne Frau allein unterwegs sein sollte.“ Sie stimmte zu. Er bezahlte seinen Whiskey, den er in der Zeit, seit diese Wahnsinnsfrau das ‘Twisters’ betreten hatte, nicht mehr angerührt hatte. Ihr Wasser, das sie auch nicht weiter angerührt hatte, zahlte er ebenfalls.
Draußen war es empfindlich kalt geworden, aber der unbekannten Schönheit schien das nichts auszumachen. Sie hakte sich bei ihm unter und drückte ihren Körper leicht an den seinen. Die Berührung ihrer Brust an seinem Arm ließ ihn erschauern.
Der Weg zu ihrem Haus verlief schweigend. Nur manchmal sah sie ihm unverwandt ins Gesicht und lächelte ihn an. Jedes Mal durchlief ihn ein wohliger Schauer. Er frage einmal, ob es ihr nicht zu kalt sein, in dem Kleid, ob sie seine Jacke haben wolle. Aber sie sah ihn nur überrascht an, als verstünde sie nicht, was er meinte. Er legte ihr einfach die Jacke um. Einmal lachte die fremde Schöne ohne jeden ersichtlichen Grund auf. Es war ein glockenhelles Lachen. Keine Melodie der Welt hätte schöner sein können. Er genoss den Augenblick und fragte nicht, warum sie gelacht hatte. Er genoss einfach ihre Gegenwart.
Schließlich waren sie da. Das Haus war riesig. Aber es war ein altes Haus, das dringend renoviert werden musste.
„Leben Sie alleine hier?“ „Ja, ich habe das Haus geerbt. Ich wollte es mir ansehen und einige Zeit darin wohnen, um zu entscheiden, ob ich es behalten will oder es lieber verkaufe.“ „Ist das nicht schrecklich einsam, in einem so großen und alten Haus?“ „Es geht. Ich bin nicht oft hier. Eigentlich nur zum Schlafen.“ Ihm fiel auf, dass er sie noch nicht einmal gefragt hatte, was sie beruflich ganz zu schweigen von Ihrem Namen
„Möchten Sie vielleicht noch auf ein Glas Wein mit hineinkommen?“ Sie hatte bereits die Tür geöffnet. „Warum nicht? Wenn ich Sie nicht störe.“ „Würde ich Sie dann hereinbitten?“ Sie sah im direkt in die Augen. Wieder jagte ihm ein Schauer über den Rücken. Dieses Mal aber eher ein kalter. Die Gegend hier war ganz schön düster. Es war ihm nur recht, erst mal mit ins Haus zu gehen. Hauptsache nicht hier draußen bleiben. Also trat er ein. Sie schaltete das Licht an. Es war ein angenehm gedämpftes Licht. Das Haus sah von innen um Klassen besser aus, als von außen. Überall lagen dicke Teppiche, die jeden Schritt lautlos machten und verdammt teuer zu sein schienen. Das Wohnzimmer war sehr schlicht, dafür um so eleganter eingerichtet. Hier gab es keinen unnötigen Krimskrams. Alles hatte klare Formen und Konturen. So wie die Besitzerin, kam es ihm in den Sinn.
„Fühlen Sie sich nur wie zu Hause. Setzen Sie sich.“ Sie kam gerade mit einer staubigen Flasche Rotwein zurück und zeigte auf das weiße Ledersofa. Er setzte sich. Sie gab ihm die Flasche und den Öffner. „Ich muss grad' noch was erledigen. Fünf Minuten.“ Sie lächelte ihn an. „Ich wird bestimmt nicht weglaufen.“ Nein, dass würde er bestimmt nicht. Kein Mann der Welt wäre freiwillig gegangen, wenn er im Wohnzimmer dieser Frau saß. Von hier aus war sicher auch das Schlafzimmer nicht mehr weit. Es dauerte etwas länger bis sie wiederkam, so dass er inzwischen einen Schluck Wein probiert hatte. Das hier war ein ganz edles Tröpfchen. Als sie wieder kam hatte sie sich umgezogen. Sie trug nun einen seidenen Bademantel. Er starrte sie fasziniert an. Sie kam langsam auf ihn zu, fixierte ihn mit ihren tiefblauen Augen und öffnete langsam den Bademantel.
„Jetzt bekommst du, was du schon den ganzen Abend willst.“ Sie sank vor ihm auf die Knie und öffnete seine Hose. Er konnte nicht glauben, was da gerade geschah. Aber er sah sich auch nicht in der Lage, es zu unterbinden. Ihm wurde nur noch schwarz vor Augen. Sie war so phantastisch, wie es phantastischer nicht ging. Ihre Lippen, ihre Zunge, ihre Brüste. Er konnte nicht mehr sagen, was ihn berührte. Er fühlte sich wie losgelöst.
Schließlich saß sie auf seinem Schoß und er war in ihr. Noch nie hatte sich irgendetwas so verdammt gut angefühlt. Er streichelte ihre nackte Haut. So glatt und weich - wenn auch etwas kalt. Aber das störte ihn weiß Gott nicht. Sie küsste ihn mit ihren vollen roten Lippen. „Sag mir, dass du immer bei mir bleiben wirst“, forderte sie. Nun gut, wenn es das war, was sie hören wollte. „Ja, ich will immer bei dir bleiben. Und ich will, dass du immer weiter machst, was du gerade tust.“ Sie lächelte ihn an. Dann beugte sie sich wieder über ihn und flüsterte ihm ins Ohr: „Du wirst immer bei mir sein, du wirst sein was ich bin und haben was ich habe.“ Dann küsste sie seinen Hals. Das war der Moment, indem er kam und er kam gewaltig. Nie hatte er so etwas gespürt, nie war er sich so sicher eine Frau zu lieben, nie hatte er solche Leidenschaft gefühlt.
Und dennoch. Etwas war falsch. Zutiefst falsch. Ihm wurde kalt und er spürte ein warme Flüssigkeit über seine Brust laufen.
Dann mit einem Mal wurde ihm alles klar. Seine Großmutter hatte ihm immer gesagt: „Die Frauen werden dich ins Grab bringen!“ Sie hatte so recht und zugleich so unrecht. Ein Grab würde er nie brauchen, aber eine Frau hatte ihn getötet. Und diese Frau saß nun neben ihm. Sah ihn an. Was nur? Was hatte er an ihr gefunden. Es gab wahrlich schönere Frauen. Nun, da ihr hübsches Gesicht mit Blut - mit seinem Blut - besudelt war. Nun, da ihr Lächeln zu einer grausamen Fratze wurde. Nun, da sie sagte: „Ja, du wirst immer bei mir sein. Denn du ahnst nicht, wie einsam die Ewigkeit ist!“
Copyright 1998 by Dana Brixia / NHS
7.6.09 21:33
 


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