Madness reigns


  Startseite
    Infos
    Kurzgeschichten
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


http://myblog.de/danabrixia

Gratis bloggen bei
myblog.de





Tarot – Geschichten : VI – Die Liebenden

VI – Die Liebenden


Heiß spürte sie seinen Atem, während sie sich auf das Bett gleiten ließ, das in einem See von Mondlicht zu schwimmen schien. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, ihn mit hierher zu nehmen? Es war so schon schwer genug, ein unbehelligtes Leben zu führen. Schwer genug, einfach in Ruhe gelassen zu werden. Ihr Blick fiel auf den vollen Mond. Das hier würde nicht gut gehen. Sie hatte schon zu lange nicht mehr… Ein Zittern durchlief ihren Körper, als er seine Hand ihre Wirbelsäule hinabfahren ließ. Überwältigt schloss sie die Augen und konzentrierte sich, nicht alles zu zerstören. Als sie die Augen wieder öffnete, spiegelte sich der Vollmond in ihren dunklen Augen. Was hatte sie sich gedacht? Dieser Mann war so nett, so zuvorkommend gewesen. Warum tat sie das hier? Er küsste sie zwischen den Schulterblättern und jagte so den nächsten wohligen Schauer durch ihren Körper. Es durfte nicht geschehen. Unter keinen Umständen durfte es geschehen. Mühevoll entwand sie sich seinem Griff, wandte sich ihm zu und er lächelte sie an. Auf eine Art und Weise, die sie fast vergessen ließ, wo sie war. Wer sie war… Irgendetwas stimmte hier nicht. Irgendetwas stimmte mit ihm nicht. Irgendetwas stimmte mit ihr nicht. Gedanken begannen, sich wie ein riesiger Kreisel zu drehen. Hin und her, her und hin. Langsam und unstet. Etwas war… falsch…
„Stimmt etwas nicht? Soll ich lieber gehen?“
Diese Stimme… wie ein Seidentuch, das sie einhüllte. Seine blauen Augen wie hypnotische Seen. Seine Hände, die ihre so sanft berührten. So kalt… Seine Lippen, die immer wieder über ihren Körper wanderten, fest und warm und doch war er sonst so kalt. Die blauen Seen schienen sie genau zu beobachten, abzuschätzen. Mühsam schüttelte sie den Kopf. Es würde schon irgendwie gut gehen. Oder nicht? Seine Hände nahmen ihr Gesicht, seine Daumen fuhren die Konturen entlang. So fein und doch so wild. Sollte er es tun? Sie war nur eine Fremde. Aufgelesen in einer Bar. Und in keiner besonders guten. Ein schäbiger Ort für eine Frau, die in einem so noblen Haus außerhalb der Stadt wohnte. Ihr Auftreten hatte ihn schon in der Bar verwirrt. Sie war anders. Keine dieser verzweifelten Kreaturen, die dort krampfhaft nach etwas menschlicher Nähe suchten und sie nie finden würden. Sie verwirrte ihn. Er war geneigt, einfach zu gehen. Doch konnte er das so einfach? Wohl kaum. Denn sie verwirrte ihn nicht nur, sie machte ihn auch neugierig und so spannte er alle Sinne an, um sie zu durchdringen. Doch schien der Mond ihr eine Rüstung auf die Haut zu spiegeln, die er nicht durchdringen konnte. Er stand auf, wollte die Jalousien schließen, doch sie zog ihn zurück.
„Lass das. Ich mag den Mondschein.“
Das Brummen, oder vielmehr das Grollen, das seiner Kehle entwich, schien kaum mehr menschlich zu sein, doch er fügte sich ihrem Willen. Sanft drückte er sie zurück in die Kissen und war schnell über ihr. Zu schnell? Doch sie ließ ihn gewähren. Ließ seine Lippen weiter über ihren Körper wandern.
Jetzt oder nie.
Spitz und schmerzhaft bohrten sich seine Zähne in das empfindliche Fleisch ihres Halses. Er hielt sie fest, doch sie bäumte sich mit ungeahnter Kraft auf, entglitt seinen Armen, während sie aufheulte, wie ein verwundetes Tier. Mit unglaublicher Schnelligkeit durchquerte sie den Raum, hielt sich die blutende Wunde und ging in eine lauernde Hocke. Ihre Augen hatten die Farbe gewechselt und schienen nun bernsteingelb zu leuchten. Ihr Blut tropfte von seinem Kinn auf das Laken. Mit blankem Entsetzen sah er, wie sich ihre Gesichtszüge veränderten, katzenähnlich wurden, die Augen ihn fixierten und sie ihren Körper spannte, wie zum Sprung.
„Du bist kein Mensch…“, stellte er konsterniert fest.
„So wenig wie du“, gab sie fauchend zurück, bevor sie sprang.

© 2008 Dana Brixia published on www.myblog.de/danabrixia
22.3.08 19:12
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung