Madness reigns


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Das neue Jahr

Diese Geschichte ist nicht neu - genau genommen ist sie 5 Jahre alt. Da sie aber 2002 zu Silvester geschrieben wurde, ist es wohl Silvester 2007 ein guter Zeitpunkt, sie auch hier zu veröffentlichen.
Viel Spaß beim Lesen und einen guten Rutsch euch allen.
Dana


Das neue Jahr

Bunter Funkenregen. Rot. Gelb. Grün. Blau. Weiß. Schwarz...
Der Himmel. Im Farbenspiel verblassende Sterne.
Das Tal kalt und frostig zu meinen Füßen.
Der Atem, in weißen Wolken, vermischt sich rauchend mit Schwarzpulver und Schwefel.
Sanfter Schnee bestäubt sacht die schleierhafte Szene.
Das alte Jahr ist vorbei. Ein neues steht vor der Tür und verlangt lautstark – glitzernde – Einlass.

Das Tal zu meinen Füßen feiert. Und ich? Einsam stehe ich hier oben. Ein stiller Betrachter.
Sie grüßen einander. Wünschen. Danken.

Mich grüßt keiner. Sieht keiner.

Das Gesicht zu den Sternen gewandt. Federleichte Flocken berühren zart meine Haut. Benetzen. Kühl.
Es ist still. Das leise Grollen aus dem Tal klingt nur noch vernebelt. Fast ist der fallende Schnee lauter.

Der Boden. Wiesen. Halme. Erde. Alles ist mittlerweile zart weiß bedeckt. Und die Explosionen verhallen. Stille…

Ein einziger Funkenregen – ein roter Feuerball, eine brennende Blüte – steigt noch einmal lautlos in den verrauchten Himmel. Dunkelheit…

Kälte kriecht durch meinen Mantel, der nur lose an mir hängt. Die Haut friert.
Der Schnee stürmt nun zur Erde. Die Bäume tragen schon schwer an seiner Last.
Augen geschlossen. Stille und Dunkelheit füllen die Leere. Eine eisige Träne rollt über die Wange. Der Weg, den sie sich über die Haut sucht, brennt…
Dichte Wolken verstecken das funkelnde Sternenspiel. Den Mond.

*****

Schmerz füllt langsam meinen Körper. Schmerz verdrängt langsam die kriechende Kälte.

Immer mehr Tränen heißen ihn willkommen.

*****

Eine Hand legt sich schwer auf meine zitternde Schulter.
„Komm jetzt“, die Stimme ist warm und weich. Angefüllt mit liebevoller Zuneigung. Tief und dumpf klingt sie in meinen Ohren.
Ich folge der Gestalt der Stimme. Sie lockt und schmeichelt. Ohne ein weiteres Wort. Doch jede Bewegung ist eine zermürbende Qual. Arme. Beine. Schmerzen.

Warum?

*****

Die hölzerne Hütte wartet mit wohliger Wärme. Wärme, welche die Schmerzen nur noch verstärkt. Kurz. Und dann schafft sie es, die Kälte und Schmerz zu durchdringen.

Im Kamin flackert Feuer in zuckenden Zungen.
Rot. Orange.
Farben, die wärmen.

Möbel gibt es keine. Ein weiches Fell liegt auf dem harten Holzboden. Die Läden der Fenster sind fest verschlossen.
Die Gestalt der Stimme lädt mich ein in ihren Armen Frieden zu finden. Ruhe. Schlaf.
Doch der Geruch des Tales dringt in die verschlossene Hütte. Schwarzpulver und Schwefel mischen sich mit dem Rauch des Feuers. Stören die empfindlichen Sinne. Stören die Träume.
„Schlaf“, weich warm dunkel. Keinen Widerspruch.

Augen fallen zu. Schläfrig.

*****

Erwachen in Kälte und Dunkelheit.

Kalter Rauch erloschenen Feuers liegt schwer und drückend in der frischen, kühlen Luft. Die Läden sind noch immer fest verschlossen.
Geöffnet bieten sie einen den Atem raubenden Blick. Die Welt versinkt im Weiß. Trotz der Dunkelheit der neuen Nacht schmerzt das silberne Licht des Mondes hell in den empfindsamen Augen. Sterne glitzern tausendfach in Eiskristallen. Die Welt ein wundervoller Diamant. So weiß. So rein. So klar. Facetten des Lichts.
Und doch ist noch immer der Schmerz der vergangen Nacht da.

Und doch bin ich wieder allein. Die Gestalt der Stimme spricht nicht warm, nicht weich zu mir. Lockt nicht. Verführt nicht.

*****

Die siebte Nacht. Sie bringt die Klarheit.

Ich bin verlassen.

Die Gestalt der Stimme kehrt nicht zurück.
Allein.
Schmerz erfüllt mich noch immer.
Das Tal hat seine eigene furiose Faszination. Magie. Es zieht mich. Lockt mich. Will mich verführen.
Häuser – vor wenigen Wochen, vor wenigen Tagen – hell und warm erleuchtet, sterben nun in der Dämmerung ihren eigenen Tod.

Es wird Zeit für mich. Zeit, das neue Jahr – das neue Leben – zu begrüßen.

Zeit für Hunger.

Zeit für Jagd.

Zeit zum Töten.



© 2002 by Dana Brixia
31.12.07 15:44
 


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