Madness reigns


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Vater

Vater

Sie rannte und rannte. Angstschweiß rann ihr über die Stirn in die Augen. Wenn sie doch nur wüsste, wo sie war! Panisch schaute sie über ihre Schulter nach hinten und sah nichts als Schwärze.
Einzig das Parkhaus, das nur noch wenige Meter vor ihr in den Abendhimmel ragte, war beleuchtet und schien sie mit den erleuchteten Stockwerken willkommen zu heißen.
Die Angst schwang um in Panik und kroch ihr wie ein Insekt über den Rücken, um sich dann wie eine Schlinge um ihren Hals zu legen. Es würgte sie, doch sie schaffte es in das Neonlicht des Parkhauses zu stolpern. Doch das Grauen, das ihr solche Angst machte, ließ sie dennoch nicht los und all ihre Instinkte schrieen ihr förmlich entgegen, dass sie einen Fehler begangen habe und dass hier nichts so war, wie es zu sein schien.
Gehetzt suchten ihre Augen die Umgebung ab. Es war hell hier, weder kalt noch warm. Und doch stimmte etwas nicht. Keine Autos. Hechelnd wie ein Hund rannte sie die Rampe zum nächsten Parkdeck hoch – doch auch hier – nichts… Weiter und immer weiter wand sie ihren Weg nach oben. Bis sie Stimmen hörte. Kinderstimmen. Die nächste Rampe und sie sah, was hier nicht stimmte. Das hier war kein Parkhaus! Es war ein Waisenhaus. Oder nein?! Doch – es war ein Parkhaus. Aber warum standen hier statt Autos doppelstöckige Kinderbetten in den Parklücken? Eins neben dem anderen – keine Parklücke war frei. Die Schlinge der Angst schnürte sich fester um ihre Kehle und eine dunkle, eine finstere Ahnung machte sich in ihrem Inneren breit. Das konnte nicht sein…
Sie schaute in die leeren Gesichter der Kinder, die wohl alle ihr Schicksal kannten und mit einer gleichmütigen Ruhe hinnahmen, wie sie wohl nur Kinder haben konnten. Eines der scheinbar seelenlosen Wesen schüttelte sie, doch es reagierte nicht. Irgendwo hörte sie ein verstörtes Wimmern. Ihr Blick schweifte durch das Parkdeck und sie ertrug die Gleichgültigkeit nicht länger und rannte höher. Doch auch auf dem nächsten Deck bot sich ihr der Selbe Anblick. Etagenbetten in Parklücken, Kinder in den Betten. Ausdruckslosigkeit. Egal wie hoch sie in dem Gebäude angelangte, immer wieder dasselbe Bild. Grauen packte sie mehr und mehr – sie wollte helfen. Diesen namenlosen Wesen, die hier saßen, schlafen, mit offenen Augen träumten, helfen. Doch wie? Jemand – oder etwas? – verfolgte sie; das spürte sie seit geraumer Zeit. Mehr und mehr dämmerte ihr, was das hier war. Kein Heim… es war ein Stall. Eine Vorratskammer. Eine nahezu unerschöpfliche Quelle an frischem, jungem Blut. Und was sie verfolgte, was nichts anderes als ein… „VAMPIR!“, brüllte ihr jemand entgegen. Hier und da sah sie Gestalten durch die Bettenreihen huschen. Plötzlich erlosch die Neonbeleuchtung und Dunkelheit umfing sie erneut. Dann nahm sie den Schein von Fackeln wahr. Einige Menschen – erwachsene Menschen – huschten durch die Gänge. Hier und da weinte ein Kind. Plötzlich war ein schriller Schrei zu hören. Ein Todesschrei. Aber kein menschlicher. Grauen umfing ihre Seele erneut und schien das Leben und den Glauben aus ihr heraus pressen zu wollen. Dann hörte sie das Prasseln. Bei aller Güte… es brannte. Jemand hatte das Gebäude in Brand gesteckt! Die Kinder! Sie mussten raus hier! Alle raus! Sie rüttelte die nächst besten Kinder aus ihrer Trance und brüllte sie an, dass sie fliehen müssten. Langsam, gerade so, als würde eine Eisschicht von ihnen abbröckeln, bewegten sich die Kleinen erst langsam, dann immer schneller. Panik brach aus und die anderen Erwachsenen, die hier waren, um zu helfen, lotsten die Kinder nach unten – ins Freie. Hinter sich hörte sie ein widerwärtiges, schmatzendes Geräusch. Nein, bloß nicht umdrehen, schrie ihr Verstand ihr entgegen, doch der Reflex war stärker. Ein Wesen, nicht Mensch, nicht Tier stand über eines der Betten gebeugt und saugte am Hals eines Kindes, das bereits leblos in seinen Armen hing. NEIN! Ihr Magen rebellierte, ihr Verstand bäumte sich auf, gegen das, was sie sah. Wutentbrannt griff sie nach einer Fackel, die an ihr vorüber zu fliegen schien und rammte dem Wesen das brennende Pech in die Brust. Ein unmenschlicher Schrei hallte durch das Parkdeck und jemand rief ihr ein: „Gut gemacht“, zu. Doch gut fühlte sie sich nicht. Die Luft wurde immer heißer und stickiger – es war an der Zeit, aus diesem Inferno heraus zu kommen. Also rannte sie. Ließ ihre Füße den Weg bestimmen und rannte und rannte. Vorbei an schreienden Kindern, vorbei an Fackelträgern, die ihr ungläubig nachschauten. Warum diese Verwirrung. Sie ließ drei Parkdecks voller kleiner Betten hinter sich, bevor sie begriff: Sie rannte nach oben – weiter in die Flammenfalle hinein, anstatt nach unten, aus ihr heraus! Der Verstand befahl ihr umzukehren, doch sie lief immer weiter. Um sie herum begann sich das das Gebäude zu verändern. Mehr und mehr glich es einem alten Turm, und immer weniger dem Parkhaus, in das sie hinein gerannt war und das lichterloh brannte und unter ihr begann, zusammenzufallen. Immer höher, hinein in den Turm, der bedrohlich wankte. Keine Rampe mehr, sondern eine enge Wendeltreppe führte sie nun weiter empor. So lange, bis sie vor einer großen, schweren Holztür mit eisernen Beschlägen stand. Mühelos öffnete sie die Tür und betrat eine alte Bibliothek. Hier war der Brandgeruch vergessen und der modrige Duft alter Bücher und Pergamente hüllte sie ein, wie ein Neugeborenes eine Decke. Hier war sie sicher. Das Haus unter ihr brannte. Der Turm über ihr stürzte in sich zusammen, aber hier war sie sicher. Mit der Hand strich sie fast schon liebevoll und zärtlich über eines der Bücher, die aufgeschlagen auf einem schweren Holzschreibtisch lagen. Doch plötzlich begann sich die Atmosphäre in der Bibliothek zu verändern. Sie war nicht mehr allein. Misstrauisch und ängstlich drehte sie sich um und schaut in eine starre Maske, denn ein Gesicht konnte man dieses regungslose Antlitz nicht nennen, und alle Angst fiel von ihr ab. Dieses Wesen, der Vampir, der Mächtigste unter ihnen, öffnete seine Arme und sie sank gegen seine Brust. Ein Lächeln umfing ihre Lippen und bevor sie begann, sich an seinem Hals zu laben, flüsterte sie ein einziges Wort: „Vater.“

Schweißgebadet und den metallischen Geschmack von Blut im Mund wachte sie auf.
Es war weit nach Mitternacht und doch noch ebenso weit vom nächsten Tag entfernt. Ihr Herz klopfte, als wolle es zerspringen. Verstört schaute sie sich um, doch das Licht neben ihrem Bett zeigte nichts anderes, als ihr vertrautes Schlafzimmer.

Kommentar zu dieser Geschichte:
Diese „Geschichte“ ist nicht nur in der Geschichte ein Traum, sondern auch in der Realität. Diesen Traum hatte ich vor einiger Zeit – er verwirrt mich bis heute. Vielleicht hilft es, ihn aus den Traumbildern zu lösen und in Worte zu fassen.

© 2007 by Dana Brixia published on www.myblog.de/danabrixia
30.12.07 14:40
 


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